Mittwoch, 5. Oktober 2016
Madagaskar die Vorletzte
Das nennt sich hier dann Busch


Lange, lange Zeit ist’s her, seit der letzte Blogeintrag geschrieben wurde, daher wird der jetzige auch gesplittet. Der medizinische Teil kommt im Anschluss!
Ich bin seit Montag früh in Äthiopien, gut bei meinen Eltern angekommen. Mittwoch oder Donnerstag geht es dann los nach Attat, in die Klinik. Daher habe ich etwas Zeit für einen Rückblick und muss sagen: volle Tage in Madagaskar! Gleich zu Anfang muss ich gestehen, ich habe die Insel verlassen ohne Lemuren gesehen zu haben. Unglaublich, aber war. Leider ging es mir die letzte Woche nicht so gut, und da ich so viel Anderes erlebt habe, stellte ich dann die Lemuren hintenan (und habe mir damit einen Vorwand geschaffen nach Madagaskar zurückkehren zu müssen!) und verbrachte einen Teil der Zeit im Bett, einen (definitiv größeren Teil) in der Krankenstation und etwas Zeit in der Stadt.
Busfahren ist ein Abenteuer für sich in Madagaskar. Aufgrund von Sprach- und Ortsunkenntnissen stellte ich mich an die Straße - ganz Schwarmverhalten – und wenn viele Menschen in einen Bus einstiegen, stieg ich dazu. Und schaute einfach mal, wo ich hinfuhr. In diesen Bussen kommt man dann dem Land sehr nah. Und den Menschen erst! Ob sie nun Hühner dabei haben, einen großen Sack mit Heu oder einfach seit längerem nicht mehr geduscht hatten, diese Begegnungen waren immer ein Fest für alle Sinne. Da ich auch anfangs überhaupt keine Ahnung hatte, wie viel so eine Busfahrt kostet, hielt ich dem netten Mann an der Tür, der das Geld einsammelte, einfach etwas Geld hin und freute mich über massig Rückgeld. Für eine halbe Stunde Fahrt zahlte ich ca. 60 Cent, was doch eine sehr günstige Stadtrundfahrt ist. Dabei konnte ich wirklich viel von der Stadt bewundern, Reisfelder, in denen der junge Reis gerade sprießt, Frauen, mit ihren Kindern im Tuch, Menschen, die von A nach B – nun ja, nicht wirklich hetzen. Stände, Märkte, am Straßenrand, viel frisches Obst und Gemüse, Essensstände, schöne, alte Häuser, daneben immer wieder Kinder, Männer und Frauen, die riesige Lasten auf dem Kopf tragen. Hat ihnen denn niemand gesagt, dass das ein afrikanisches Klischee ist, dass man nur aus romantischen Afrikafilmen und -büchern kennt? Nein, hier lebt es tatsächlich.
Laut Wikipedia haben 52 % der Madagassen einer animistischen Religion an, 42% der christlichen. Ich war natürlich neugierig auf Ahnenverehrung und indigenen Glauben. Aber irgendwie habe ich die andere Hälfte der Bevölkerung kennen gelernt. Der christliche Glaube hat eine große Bedeutung für die Bevölkerung, es wird gemeinsam gebetet (vor dem Essen, vor Treffen, mit Schwangeren, oder wenn es gerade angebracht erscheint), der Gottesdienstbesuch sonntags ist eine Pflichtaufgabe. Silvia, mein guter Engel im guesthouse, die mir in meinen kranken Tagen immer Tee kochte, warf mich jeden Sonntag raus, da sie in den Gottesdienst wollte und ich für die nächsten vier Stunden mich allein beschäftigen musste.
Ein Besuch auf dem Souvenirmarket konnte ich mir, trotz der obligatorischen „Willkommen im fremden Land-Grippe“ nicht verkneifen. Es verwunderte mich dann (oh ja, ich war ganz zielgerichtet gefahren!), dass ich die einzige war, die am Market aus dem Bus stieg. Noch viel amüsanter war es dann, dass ich die einzige Besucherin der rund dreißig Stände war. Und natürlich hofften alle, mit mir das Geschäft ihres Lebens zu machen. Aber wonach ich eigentlich suchte, frischen Pfeffer, den fand ich natürlich nicht. Sehr schade, denn das ist tatsächlich eine wundervolle Sache, mit dem hier oft gekocht wird, der aber mysteriöserweise nirgendwo verkauft wird. Dafür gab es madagassische Vanille, selbstgeflochtene Körbe, nackte, vollbusige Frauen aus Holz, alles, was das Touristenherz begehrt. Und einen ganzen Haufen hochmotivierter Verkäufer dazu!
In Madagaskar fehlen prinzipiell Touristen. Eine wunderschöne Insel, bunt und vielfältig, mit einer grandiosen Natur (zumindest im Busch konnte ich etwas davon sehen), interessanten Menschen und einer Kultur, die man kaum afrikanischer finden kann, wird von Touristen ziemlich vergessen. Es tut mir etwas Leid, denn es würde dem Land sicherlich gut tun. Also, auf nach Madagaskar, schaut euch Lemuren an, die Baobab-Allee (riesige, sich umarmende Bäume), die schöne Ostküste, den Busch, die quirlige Hauptstadt oder geht einfach nur an den schönen Stränden schwimmen!

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